Soziale Medien machen einsam? Nein!

Schon wieder sitzt das Mädel hinter seinem Smartphone und tippt die Buchstaben wie wild. Müssen wir Eltern uns Sorgen machen, dass die Tochter (oder der Sohn) sich nur mit dem Handy beschäftigt und vereinsamt?

Im Gegenteil: Wer aktiv über soziale Netzwerke kommuniziert, führt in der Folge mehr direkte, persönliche Gespräche und zeigt sich auch insgesamt mit seinem Leben etwas zufriedener. Zu diesem überraschenden Ergebnis kamen Medienpsychologen der Universität Hohenheim in einer aktuellen Studie.

Ob in der Bahn, im Hörsaal oder im Restaurant: Überall trifft man heute Menschen an, die konzentriert über ihr Smartphone gebeugt sind. Sie sprechen nicht mehr miteinander, vereinsamen gar, und die Lebensqualität sinkt – so die gängige Überzeugung.

„Deutlich sind zwei Trends: Wer viel über soziale Netzwerke kommuniziert, nutzt später nicht nur mehr Instant Messenger, sondern führt auch mehr direkte Gespräche. Und die meisten, die bei der ersten Befragung viel über Instant Messenger kommunizieren, nutzen später mehr soziale Netzwerke“, sagt der Medienpsychologe Dr. Tobias Dienlin. Und weiter: „Es scheint tatsächlich so zu sein, dass die Kommunikation die Lebenszufriedenheit erhöht – denn den gegenteiligen Effekt, dass zufriedene Menschen später auch mehr kommunizieren, konnten wir nicht finden.“

Publikation zum Thema: Dienlin, T., Masur, P. K., & Trepte, S. (2017). Displacement or reinforcement? The reciprocity of FtF, IM, and SNS communication and their effects on loneliness and life satisfaction. Journal of Computer-Mediated Communication, 22, 71–87.

Hintergrund: Forschungsprojekt „Privatheit im Wandel“

Die Studie ist im Rahmen des Projektes „Privatheit im Wandel“ von Prof. Dr. Sabine Trepte entstanden. Dieses Vorhaben läuft seit November 2013 und endet im Oktober 2017. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Projekt.