Folgekosten des Rauchens übersteigen Einnahmen durch Tabaksteuer

Gestern hat das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Berlin die zweite Ausgabe des Tabakatlas herausgegeben. Danach sind ein Viertel aller Erwachsenen in Deutschland Raucher; bei den Männern liegt der Anteil bei 30 Prozent, bei den Frauen sind es nur 20 Prozent. Zehn Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen rauchen regelmäßig Zigaretten. Rund 13,5 Prozent aller Todesfälle in Deutschland stehen in Zusammenhang mit dem Rauchen. An den Folgen des Tabakkonsums sterben laut Tabakatlas pro Jahr 121.000 Menschen. Raucher verlieren rund 10 Lebensjahre durch den Tabakkonsum.

Bei Jugendlichen besonders beliebt ist neuerdings die Wasserpfeife, die sogenannte Shisha. Rund 60 Prozent der 17-jährigen Mädchen und Jungen haben schon einmal eine Shisha geraucht. Dabei ist der Wasserpfeifenrauch laut Tabakatlas genauso schädlich wie der Zigarettenrauch. Je früher Jugendliche mit dem Rauchen beginnen, desto schneller werden sie abhängig und desto schwerer fällt es ihnen später, mit dem Rauchen aufzuhören. Bis zum Alter von 13 Jahren rauchen weniger als fünf Prozent, bei den 17-Jährigen sind es schon mehr als 30 Prozent. Im Osten gibt es es mehr jugendliche Raucher als im Westen.

Der Tabakatlas zeigt, dass der Anteil der deutschen Raucher stark vom sozialen Status abhängt. Im Norden Deutschlands leben mehr Raucher als im Süden. Bei den Männern ist unter den Möbelpackern der Anteil der Raucher mit 85,3 Prozent am höchsten, bei den Hochschullehrern mit 13,2 Prozent am niedrigsten. Bei den Frauen rauchen besonders viele Detektivinnen und Personenschutzfachkräfte (50,5 Prozent). Bei den Apothekerinnen ist der Anteil der Raucherinnen mit 6,2 Prozent am niedrigsten.

Allein die direkten Krankheitskosten summieren sich auf fast 25 Milliarden Euro; dazu gehören auch Ausgaben für Pflege und Rehabilitation. Noch höher sind die indirekten Kosten des Rauchens durch verlorene Lebensjahre und krankheitsbedingtes Fehlen am Arbeitsplatz: Sie betragen rund 54 Milliarden Euro.

Damit übersteigen die Folgekosten die Einnahmen aus der Tabaksteuer, die seit mehr als zehn Jahren relativ stabil bei 14 Milliarden Euro im Jahr liegen. Nach Einschätzung von Experten ist der Tabakpreis eines der effektivsten Mittel, um den Tabakkonsum in einem Land zu senken. Würden die direkten und indirekten Folgekosten des Tabakkonsums in den Preis mit eingerechnet, müsste eine Schachtel Zigaretten statt fünf Euro mehr als elf Euro kosten.